Meisenbach Gmbh Verlag
 
Coffee & more
 
 
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5/2010 Mai
 
 

Ein Lebensgefühl

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Ohne Kaffee geht gar nichts. Daheim und unterwegs. Mal tröpfelte und gurgelte er aus der Filtermaschine, mal schoss er ohne Vorwarnung in einem Schwall aus der Thermoskanne auf Untertasse und Konferenztisch. Der Gewohnheit, dem Automatismus tat dies keinen Abbruch. Kaffee war ein Muntermacher in der Frühe, ein Pausenfüller am Nachmittag, ein Kuchen-Begleiter am Wochenende – und der Traum vom „dolce Vita“ nach dem Besuch beim Stamm-Italiener mit reichlich Vino und obligatorischem Espresso zum Abschluss.
 

Vorbei! Jetzt ist der Koffein-Kick Kult. Und der Italiener sieht mich nur noch zu Pizza und Pasta. Denn den besten Latte Macchiato der Stadt gibt es immer öfter zu Hause. Mein Barista kann zwar (noch nicht) sprechen, wird aber wohl künftig meine Kaffee-Vorlieben an den biometrischen Daten erkennen. Entscheidend aber ist: Die Kaffee-Qualität ist wunderbar, der Duft frisch gemahlener Bohnen zieht durchs Haus und als stylishes Design-Objekt findet er bequem Platz auf der Küchenarbeitsplatte. Ja, morgens um sieben Uhr ist die Welt dann noch in Ordnung …

Seit der Vollautomat in meiner Küche seinen Barista-Dienst versieht – übrigens fehlerfrei und ohne Zicken seit drei Jahren –, klingelt es vermehrt an der Haustür. Die lieben Nachbarn begehren – unter fadenscheinigen Begründungen – Einlass, wohl wissend, dass sie nur noch wenige Argumente und Meter vom nächsten Cappuccino trennen. Dann fachsimpeln wir gemeinsam über die Vorzüge sortenreiner Kaffees, unterschiedliche Mahlwerke und die Höhe des Pumpendrucks. So wie wir einst über Burgunder und Bordeaux philosophiert haben. Heute ist Kaffee Kult, Ausdruck eines Lebensgefühls.

Übrigens: Vor einigen Wochen hat mein Nachbar „aufgerüstet“. Mit strahlenden Augen erklärt er mir detailversessen die Vorzüge seines neuen Kaffee-Automaten. Kein Werbetext, kein Verkäufer könnte dies überzeugender tun. Die neue Lust auf Kaffee ist überall spürbar.

Ich wünsche Ihnen – ob mit oder ohne Nachbarn – viele Genuss-Momente.
 

Matthias M. Machan
Chefredakteur
 



 
 
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